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Susanne Berendes, Dozentin für Violine und Fachdidaktik Violine / Viola

Die Person des Monats

Susanne Berendes, Dozentin für Violine und Fachdidaktik Violine / Viola über 25 Jahre Tätigkeit als Musikerin und Musikpädagogin


Liebe Frau Berendes, 2017 feiern Sie Ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Nun haben Sie das Vierteljahrhundert nicht nur als Dozentin der Musikakademie verbracht - welche anderen Stationen Ihres beruflichen Werdegangs gab es?

Schon im ersten Semester meines Studiums in Düsseldorf begann ich zu unterrichten- mit dem Mut der wenig Wissenden. Ursprünglich hatte ich ein Leben als hauptamtlich Unterrichtende irgendwo im Badischen geplant.
Im Laufe der Ausbildung wuchs jedoch der Wunsch, in einem professionellen Orchester zu spielen. Deshalb begann ich am Ende meines zweiten Studienabschnittes in Salzburg, an Probespielen teilzunehmen. Das erste Engagement führte mich an die Staatsoper in Stuttgart. Dort hatte ich für 18 Monate eine Aushilfsstelle und lernte das Theaterleben in seiner ganzen Fülle kennen.Seit März 1993 bin ich Mitglied der Gruppe der ersten Geigen im Staatsorchester Kassel. Das Interesse an der Pädagogik blieb und so freute ich mich sehr, als mir im Jahr 2007 ein Lehrauftrag für Fachdidaktik der Violine und Viola an der Musikakademie der Stadt Kassel "Louis Spohr" angetragen wurde. Vor zwei Jahren legte ich mein erstes  Diplom als Cantienica ® ( eine Körpermethode) Instruktorin ab und habe damit den Grundstein für eine weitere berufliche Entwicklung gelegt.


An der Musikakademie unterrichten Sie sowohl Violine als auch das Fach „Fachdidaktik Violine/Viola“. Erinnern Sie sich denn noch an Ihre erste Geigenstunde?

An meine erste Geigenstunde am Badischen Konservatorium in Karlsruhe erinnere ich mich nicht mehr, nur daran, dass die Geige keineswegs mein Trauminstrument war. Eigentlich wollte ich Querflöte lernen, da ich aber zum geburtenstärksten Jahrgang gehöre, war die Warteliste hoffnungslos lang. Deshalb schlugen mir meine Eltern vor, Geige zu lernen.


Und an die erste Stunde, die Sie selbst gaben?

Auch an die von mir gegebene erste  Geigenstunde erinnere ich mich nicht. Sie wird hochmotiviert und voller Aktionismus gewesen sein.... Wohl erinnere ich mich an meinen ersten Schüler, einen koreanischen Jungen,
der die Geigenstunden benutzte, um der strengen Obhut seiner Eltern für ein Stündchen zu entfliehen und ganz schön frech war!


Wie hat sich Ihrer Erfahrung nach die Welt der Violin-/Violapädagogik in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die Welt der Violin- und Violapädagogik hat sich mit den Kindern verändert, die heute an Pädagogen andere Ansprüche stellen als noch vor 30 Jahren.
Auch gibt es ein anderes Bewusstsein für Körperphysiologie. Es ist inzwischen pädagogisches Allgemeinwissen, dass Klang und Muskeltonus sich bedingen. Trotzdem kann man das Rad nicht neu erfinden. Das technische Rüstzeug muss geübt werden, da hilft keine App.


Welches Rüstzeug braucht ein Geigenlehrer / eine Geigenlehrerin heute?

Ein Geigenlehrer / eine Geigenlehrerin von heute braucht in erster Linie- wie seine Kollegen vor 100 Jahren- Begeisterungsvermögen und spürbare eigene Liebe zur Musik. Ohne unendliche Geduld und Einfühlungsvermögen wird es nicht gehen. Ganz wichtig ist, dass man irgendwann lernt ein Ensemble zu leiten, denn vor allem das Zusammenspiel mit anderen, also der soziale Aspekt hält die Kinder in schwierigen Zeiten bei der Stange. Für die Ensemblebildung ist es auch wichtig, dass Geigenlehrer Bratsche zumindest als Nebenfach erlernt haben. Ein ständiger Austausch mit Kollegen zum Beispiel bei der European String Teachers Association hilft weiter. Es gibt so viele Menschen mit tollen Ideen. Und natürlich gilt: lebenslang lernen, immer auf einem neueren Stand bleiben.


Ist, Menschen das Spiel der Violine oder Viola beizubringen, für Sie ein Traumberuf?

Ja, es ist sicher ein Traumberuf, wenn es gelingt im Schüler/ in der Schülerin den ganzen Menschen zu sehen. Wenn man in einigen wenigen eine wirkliche Liebe zur Musik entzündet, hat man viel erreicht.


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