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Wilhelm Schmidt _pfarrer Im Ruhestand; © Musikakademie der Stadt Kassel Wilhelm Schmidt, Pfarrer im Ruhestand

"Luther und seine Zeit im Bild"

Person des Monats: Wilhelm Schmidt, Pfarrer im Ruhestand, über seine Ausstellung, seine Beziehung zur Musik und natürlich zu Martin Luther und die Reformation.


Lieber Herr Pfarrer Schmidt, die Musik spielt in Ihrem Leben eine ganz besondere Rolle - welche?

Musik hat mich schon als Kind emotional stark angesprochen. Im Konfirmandenunterricht gehörte ich wohl zu den Wenigen, die die Melodie eines Chorals halten konnten; darum  bestimmte mich der Organist unseres Dorfes ganz einfach zu seinem Nachfolger und gab mir ersten Unterricht. Vor meinem Theologiestudium entschied ich mich im Rahmen eines Lehramtsstudiums für das Wahlfach Musik.  Dem humorigen Aphorismus von Friedrich Wilhelm Nietzsche stimme ich gerne zu: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum."

Wie kam es zu dieser erstaunlichen Sammlung?

Die kindliche Sammelleidenschaft, die ich mit meinem Bruder und einigen Schulkameraden teilte, fand ab den 60er Jahren reichlich Nahrung in der Zeit des Wirtschaftswunders: Wie in einem Rausch entrümpelte man die Speicher, um die neuen Massenwaren zu konsumieren. Vielleicht  war das für manche eine Form der Bewältigung der dunklen Vergangenheit unseres Landes. Jedenfalls wuchs mir in diesem Zusammenhang eines meiner ältesten Bücher zu, eine noch zu Lebzeiten Luthers gedruckte Ausgabe des Neuen Testaments.


Nach welchen Prinzipien wählen Sie Objekte aus, die Sie ankaufen?

In der Ausstellung findet sich weder das Prunkschwert eines Kaisers noch eine astronomische Uhr der Renaissance. Die Objekte sind eher bescheiden und an sich auch weniger wichtig; für mich sind sie bedeutsam als Substitute für historische Zusammenhänge, auf die sie hinweisen, Zusammenhänge, die unsere Gegenwart vielleicht mehr prägen als uns bewusst ist.


Welche Leitgedanken hatten Sie bei der Zusammenstellung der Ausstellung im Konzertsaal der Musikakademie?

Mir ist es wichtig, die Rahmenbedingungen und das geistige Klima aufzuzeigen, unter denen sich ein genialer Mensch wie Luther entfalten konnte. Jeder ist Kind seiner Zeit. Ohne die Bewegung der Renaissance der Antike, ohne die Leistungen Erasmus von Rotterdams, Johannes Gutenbergs, Christoph Kolumbus‘, Lukas Cranachs, des Komponisten Johann Walters und vielen, vielen anderen, wäre Luthers Leben anders verlaufen. Einen kleinen Schwerpunkt wird die Ausstellung natürlich auf Luthers musikalischen Werdegang legen.

Was bedeuten Luther und die Reformation für Sie persönlich?

Für mich ist die Reformation bei allen Schattenseiten der Beginn der Aufklärung. "Sapere aude" – "wage zu denken" ist nicht erst der Leitspruch Immanuel Kants, sondern auch der Reformation. Die Spuren der Werte, auf denen unsere Gesellschaft gründet wie Meinungs- und Gewissensfreiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung sind dort gelegt worden.

Haben Sie einen Wunsch, was vom Reformationsjubiläum 2017 bleiben soll?

Ich würde mir wünschen, dass die ökumenische Ausrichtung des Reformationsjubiläums kein Strohfeuer bleibt, dass Luther nicht mehr als konfessionstrennende sondern als konfessionsverbindende Gestalt wahrgenommen wird. Ich behaupte zu sagen, dass Luther schließlich auch die katholische Kirche seiner Zeit, die in ihrer damaligen Verstrickung in Macht und Politik ihre Glaubwürdigkeit verloren hatte, durch seine Reformen gerettet hat.


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